Guten Morgen liebe Leser,
Zeit wirds wohl für den nächsten Extra Blog. Dieses Mal zum Thema: Verkehr
Man sieht es ja das ein oder andere Mal im Fernsehen... Verkehrskollaps in China... gemeint sind damit meist die Megametropolen Peking, Chonqing oder Shanghai.
ABER.. das trifft es noch nicht mal annäherend! Manches versteht man halt erst, wenn man, im wahrsten Sinne des Wortes, mittendrin steckt.
Viel zu viele Menschen wollen von A nach B. Gefühlt immer zeitgleich. Und das an einem ganz normalen Wochentag. Nach der Arbeit. An der - für mich -
gefürchteten Metrostation "Peoples Square". Das ganze wird nur noch während der chinesischen Feiertage getoppt...
Ach herrje, ich schweife wieder ab.. von vorn: Wenn man das erste Mal nach Shanghai kommt, kommt man unweigerlich am internationalen Flughafen Pudong an (da gehts schon los.. Shanghai hat nämlich zwei davon: Pudong und Hongqiao... wenn man also eine Reise antritt, egal ob Urlaub oder Dienstreise, tut man gut daran aufs Ticket zu gucken zu welchem Flughafen und noch besser zu welchem Terminal man muss!).
Und schon hat man die Qual der Wahl wie man von dort weg kommt: Darf es die Maglev sein? Eine - deutsche - Magnetschwebebahn, bei der man mit seinem Flugticket 10RMB Nachlass bekommt?
Oder die Metro? Für lächerliche 4RMB?
Oder die entspannte Variante mit Sitzplatz Garantie: Taxi?
Oder doch lieber der Flughafen-Shuttlebus?
Meist wählen wir für den Hinweg die garantiert staufreie Variante mit der Metro und zurück dann das Taxi.
Haben wir Besuch gehts erst mit der Maglev und anschließend mit der Metro nach Shanghai, mit gern mal über 300km/h :)
So, dann wollen wir die einzelnen Nahtod Erfahrungen mal abarbeiten :)
Arbeitsweg:
Der sieht für mich hier wie folgt aus:
Um 6.45h mach ich auf den Weg zur Metro, der dauert ca. 10 Minuten. Dann muss ich zwei Stationen mit der Metro zurücklegen.
Um 7.25h fährt mein Shuttlebus dann vor (wir haben insgesamt 6 davon, mit verschiedenen Routen). Verpasst man den, muss man halt zusehen, wie man nach Anting kommt.
Um 8.30h bin ich dann im Büro
Zurück gehts dann natürlich auch mit dem Shuttlebus. Daran hab ich mich recht schnell gewöhnt.. Nackenhörnchen gekauft und schwupp hab ich ne Stunde extra Schlaf am Tag :)
Stefan`s Weg ist da ein wenig "einfacher", sollte er ein Taxi bekommen. Der Arme muss schon um 6 Uhr unsere Wohnung verlassen und sucht sich dann an der Straße ein Taxi um zu seiner Shuttlebus-Haltestelle zu kommen. Abends nimmt er auch seinen Bus (seine Firma hat nur einen einzigen :-D) und dann noch 2 Stationen mit der Metro.
METRO:
Der definitiv günstigste und staufreiste Weg. Ich LIEBE die Metro in Shanghai! Ernsthaft.. der Einzige Haken: Leider fahren sie maximal bis 23 Uhr. Danach ist Zapfenstreich.
Für die Tickets hat man mehrere Möglichkeiten: Einzel-Tickets am Automaten kaufen (Fahrtziel eingeben, geht sogar auf englisch) e voilà, oder am Metro-Schalter Tages Tickets kaufen. Wir haben mittlerweile, für 20RMB Pfand, unsere Dauerkarten.. die kann man dann beliebig aufladen und verbrauchen.Je öfter man die Karte nutzt, um so günstiger wirds dann auch. Vielfahrer zahlen so z.B: nur 3RMB!
Das Metrosystem selbst ist Idiotensicher! Man kann sich eine APP auf das Smartphone laden und dort sogar den Start und Zielpunkt wählen. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit braucht man das allerdings immer weniger, man hat ja so seine festen Wege :)
Und dann... ein Traum.... alle 5Min. kommt die Metro, fast egal mit welcher Linie.
Mittlerweile gibt es 17 Linien.. und es sollen noch mehr werden :)
Tja.. und da hören die Vorteile auch schon auf...
Problem1: viel zu viele Menschen. Zur gleichen Zeit, am gleichen Ort. Meine Fresse...
Problem2: Chinesen sind nicht wasserfest! Wenn es regnet können die nämlich nicht mehr Auto fahren. Das meine ich ernst... die nehmen dann ALLE die Metro oder stecken im Stau.
Meine persönliche Nahtod Erfahrung hatte ich bei einem monsumartigen Regen auf dem Heimweg. Ich dachte, es wäre voll schlau mit der Metro zu fahren, als gar nicht - staubedingt - heim zu kommen. HAHA
Ich habs mit der Line 2 (eigentlich lächerliche 4 Stationen bis zum Ziel) ganze 3 ausgehalten... die Metro war RAPPELVOLL.. nix ging mehr.. hätte nur noch gefehlt, dass man gestapelt wird. Die Türen gingen kaum mehr zu und gefahren wurde im Schneckentempo. Trotzdem wollten bei jeder Station noch mehr rein, was auch irgendwie immer ging.. Eine Station vor Ziel hab ich aufgegeben.. Und wollte nur noch raus, bevor ich zerquetscht werde.. tja, nur wie.. da stand ich nur, die deutsche Eiche... zwischen den Türen. Es ging nicht mehr vor oder zurück. Irgendwann hat sich ein Polizist erbarmt und mich rausgezogen. Anders wäre es auch nicht machbar gewesen. OMG! War ich dankbar! (diesen Fehler sollte ich bereuen! Das Internet ist aufgrund des schlechten Wetters kollabiert, keine Karte war aufrufbar, an Taxis war nicht zu denken, weil jeder einfach sein Auto mitten auf der Straße (!) hat stehen lassen.. nix ging mehr.. SUPER... Gott sei Dank ist mir ein Motorrad Taxi vor die Füsse gefahren.. für unverschämt teure 30RMB (statt 3 mit der Metro) wollte er mich heimfahren. Egal. In rekordverdächtigen 5 Minuten war ich dann auch am Ziel, wieder dem Tod knapp von der Schippe gesprungen, weil er sich weder aus Fahrtrichtungen noch aus sonstigen in allen Ländern der Welt geltenden Verkehr-sregeln gehalten hat.
Fehler Nummer3: kein passendes Geld. Also hat er - natürlich ohne mit der Wimper zu zucken - meine 50RMB einkassiert. Mir wars in dem Moment egal.
Ich war froh
a) zu Hause zu sein und
b) das Ziel tatsächlich lebend erreicht zu haben.
Später sollte ich hören, dass der Betrieb der Linie 2 an dem Tag noch eingestellt worden war, weil die Schienen überflutet waren (und damit mein ich im TUNNEL!) Krasse Sache!
Problem3: ICH! ICH! ICH! Zur EXPO hat man das Metro System versucht zu organisieren. Und ist kläglich an den eigenen Landsleuten gescheitert! An jedem einzelnen Bahnsteig gibt es für die Ein- und Ausgänge gelbe Pfeile. Außen rein in die Metro, in der Mitte gehts raus. Es wäre so einfach... wenn sich jeder dran halten würde. Und so zeigt sich überall das gleiche Bild.
In der Metro wird sich bescheuert hingestellt, dass man weder dran vorbei kommt noch rein und draußen das gleiche Spiel. Jeder steht dem anderen im Weg und versucht irgendwie in seine Richtung zu kommen. Und wieder einmal bin ich unendlich dankbar meinen Mann geheiratet und an meiner Seite zu haben. Der baut sich dann schützend vor mir auf und bahnt mir den Weg!
Problem4: Temperaturbedürfnisse.... :) Shanghainesen sind Weicheier! Ehrlich.. Ja, der Winter hier ist eklig, nicht wirklich kalt.. aber Luftfeuchtigkeit und nicht isolierte Wohnungen tragen nicht unbedingt zum Wohlfühl-Faktor bei. Aber in der Metro dann gegrillt werden?! Auch nicht sooo toll.. Im Sommer wird dann dafür schockgefrostet...
TAXI
ach, was war das schön... damals.. Nein, ich bin nicht über Nacht zum Rentner mutiert... allerdings haben wir alle feststellen müssen, dass es mit den Shanghai Taxis leider bergab geht. Rapide!
Am Anfang stellte man sich zu jeder Tages- und Nachtzeit an die Straße, Arm hoch und Winken. Binnen 3 Minuten - maximal - hielt dann ein Taxi. Sauber. Wenn man Glück hatte, hat der Taxifahrer einen verstanden, wenn nicht, hatte man hoffentlich die Adresse in chinesischen Zeichen am Start und einen Fahrer erwischt, der die auch lesen konnte.
Heute: VIEL GLÜCK! Entweder sind die Taxis vorbestellt.... über die vielen chinesischen APPs die es mittlerweile dafür gibt. Wir doofen Ausländer sind somit raus, weil wir diese APP schlicht und einfach nicht bedienen können. ODER.. noch fieser: das Taxi ist frei und man wird ignoriert.
Hinzu kommt, dass die Taxis hier meist in einem erbärmlichen Zustand sind. So etwas wie den TÜV gibts hier nämlich nicht :D Und so fahren auch die letzten Klapper-kisten durch die Gegend..
Mein persönliches Highlight: ein Anting Taxi, bei dem während der Fahrt die Tür auf meiner Seite in der Kurve auf ging. Anschnallen tut man sich hier nämlich nicht! Das wäre ein RIESEN Anfängerfehler! Damit saut man sich nur die Klamotten ein!
Hier gibt es nämlich alle möglichen Tricks und Kniffe für die Sicherheitsgurte.. z.B. ziehe man den Sicherheitsgurt des Fahrers bis aufs maximale heraus, und blockiert dann mit einer Klammer den Gurt, so dass er sich nicht aufrollen kann. Dann klickt man den Gurt ganz normal ein, OHNE auf dem Sitz zu sitzen. Erst dann
setzt man sich. Sollte man jetzt - als Taxi Fahrer - in eine Kontrolle kommen, zieht man den lockeren - und somit komplett nutzlosen - Sicherheitsgurt einfach nach vorne. 1.000fach gesehen, in verschiedenen Variationen.. und jedesmal erneut drüber gestaunt.
Hinzu kommt, dass die meisten Taxifahrer rotz unfreundlich sind und einen - als Ausländer - versuchen zu besch...en wo es nur geht: Umwege fahren oder falsch eingestellte Taxometer. Bei meinen chinesischen Freunden kommt es hingegen oftmals vor, dass der Taxifahrer während der Fahrt beschließt keinen Bock mehr zu haben und einfach stehen bleibt und einen rausschmeißt. Juhu..
Huch, fast die wichtigste Regel vergessen: bei Regen werden Shanghai Taxis plötzlich unsichtbar! Ohne Witz.. eben waren da noch 10 freie Taxen, kaum fängt es an zu regnen, verschwinden die!
Deswegen greifen wir mehr und mehr auf UBER zurück!
I love it! Einmal an der APP angemeldet kann man auch schon los legen. Die APP ist auf englisch, so dass auch ich dummer Ausländer sie bedienen kann.
Haken an der Sache: man gibt Standort und Zielort ein und binnen Sekunden ruft der Fahrer an. Meist auf chinesisch. SUPER, aber.. Fuchs wie ich manchmal bin, sorge ich dafür, dass ich entweder in der Nähe unserer Guards im Compound bin, oder wenns um den Heimweg geht, in der Nähe vom Restaurant. Und zack, erklärt ein freundlicher Chinese dem Fahrer den Weg.
Von da an wirds himmlisch! Was wir schon alles hatten... Buick, Skoda, Beetle... alle pickobello sauber, innen wie außen. Super freundliche Fahrer. Unser persönliches Highlight: Türen aufhalten, englisch, kostenloses Wasser, Ladekabel fürs Handy.. und - der Kracher - freies W-Lan. Im Auto!
Besch...en ist hier übrigens nicht! Man bekommt hinterher von UBER eine eMail mit der Route. Und auch die Preise sind - in Shanghai - der Wahnsinn. Wir haben bisher IMMER weniger bezahlt als mit einem regulären Taxi. Nimm das, Shanghai Taxiverband! Ääääääääääätsch!
FUSSGÄNGER
Als Fussgänger ist man Freiwild! Diese Erfahrung mußte ich gleich bei meiner ersten Dienstreise machen..Da ist man froh, die irre fahrweise des Taxifahrers ohne Herz-infakt überstanden zu haben und will nur noch eins: nämlich raus.. tja... da hat man aber die Rechnung ohne diese vermalledeiten Elektroroller gemacht. Nicht zu hören sind diese Biester, was sie so gefährlich gemacht.. also ein Insider Tipp von mir: AUGEN AUF! IMMER! Aber selbst vor anderen Fussgängern ist man nicht sicher... Wir Deutschen unterscheiden uns da grundlegend von den Chinesen... die lieben es nämlich gemächlich zu schlürfen und zu schleichen, ändern ständig ohne Vorwarnung die Richtung oder bleiben einfach mitten im Weg stehen.. keine Ahnung, wie viele ich schon umgerannt hab deswegen.
Und noch eins, auf das man jederzeit gefasst sein muss: man zieht hier sein innerstes hoch (manchmal frag ich mich echt, woher die das bei ihrer Körpergröße nehmen!) und rotzt es dann geräuschvoll auf den Boden.. wehe, man weicht nicht rechtzeitig aus, natürlich bilden noch brennende Zigarettenstummel da keine Ausnahme.
KICKBOARD / FAHRRAD
Da Fahrräder hier nur zu gern verschwinden und Stefan von seiner Körpergröße einfach nicht für einheimische Elektroroller gemacht ist, haben wir uns für Kickboards entschieden (ohne Motor!)
Die können wir klitzeklein zusammen falten und dürfen diese sogar im GYM parken.. da kommen sie garantiert nicht weg. Und so sind wir jetzt in Rekordzeit am Ziel, so fern es denn von der Muskelkraft machbar ist.
Diese kleinen Flitzer lieben wir abgöttisch und so werden wir sie auf jeden Fall mit nach Deutschland nehmen.. Ihr seht mich damit also auch live und in Farbe damit Bröchten vom Bäcker holen!
FLUG
ein nach wie vor unangenehmes Thema für mich.. auch wenn ich nun mittlerweile etliche Flugmeilen auf dem Buckel hab, werd ich mich daran wohl nie gewöhnen.
Inlandsflüge sind eine Herausforderung.. das dürfte sich ja mittlerweile bis nach Deutschland herumgesprochen haben... Gott sei Dank haben wir bisher noch nicht erlebt, wie eine Stewardess mit heißen Nudeln beworfen wurde, oder das jemand die Notausgang Tür - während des Flugs wohlgemerkt - öffnen wollte um an die frische Luft zu kommen. In Deutschland hätte ich gedacht, dass solche Geschichten an den Haaren herbei gezogen sind.. ich kann Euch aber verraten: sie sind es nicht! Mit Chinesen zu verreisen erfordert ein dickes Fell!
1.) So klein sie auch sind, lasst Euch davon niemals täuschen.. die können Gepäckstücke (gern Duty free) schleppen, da wäre so mancher Lastenesel vor Ehrfurcht erblasst!
Tipp: versucht also so früh wie möglich an Board zu sein, sonst habt ihr keine Chance mehr Euer Gepäck unterzubekommen!
2.) Gerüche.. mehr muss ich dazu wohl nicht sagen?!
3.) kleine Menschen.. brauchen VIEL Platz und zeigen das auch! Da denkt man, man hat ein kleines 3jähriges Kind hinter sich, was ständig gegen die Lehne tritt oder meine Kopfstütze als Aufstehhilfe missbraucht, so dass man jedes Mal nach vorne geschleudert wird.. nene.. die kleinen sind das kleinste Problem!
4.) LAUTSTÄRKE! Kopfhörer werden vollkommen überbewertet.. wenn man Chinese ist.. wenn man ein neues Spiel auf dem Handy hat, soll das ja auch gefälligst jeder hören! Im gesamten Flieger!
Nächster Tipp: in SEHR GUTE Kopfhörer investieren mit Noise Cancelling Funktion!
Bei unseren Heimflügen trickse ich meist ein bißchen.. wir haben es bisher immer geschafft, den Nachtflug zu nehmen.. also rein in den Flieger... aufs Abendessen warten und rein mit der Zauber Pille.. damit schaffe ich es herrlich durchzu-schlafen.. meist muss mich Stefan dann zum Frühstück wecken :)
Trotzdem bin ich heilfroh, wenn wir bald zu Hause sind.. mein Plan ist, sobald dann keinen Flieger mehr zu besteigen!
Guilin wartet noch auf uns und dann noch der endgültige Heimflug.. dann mag ich erstmal nimmer.. :) Meinen aktuellen Reisepass werd ich allerdings in Ehren halten, so viele Stempel und Visa werd ich wohl nie wieder zusammen bekommen :D
ZUG
Ehrlich.. ich LIEBE Zugfahren in China.. das wird nur noch durch JAPAN getoppt!
Super günstig! Immer pünktlich! Und keine verwirrenden Gleiswechsel in letzter Sekunde. Die Züge sind sauber, man hat in der ersten Klasse (die noch immer günstiger ist als ein schnödes normales Bahnticket in DE) sogar Steckdosen am Sitz und so viel Platz, da kann kein Flieger mithalten! Schnell und leise sind die auch noch! Und ständig wird irgendwas verkauft (Getränke, Eis, Obst, Snacks und fertige Instant Nudeln). Deutsche Bahn: bitte mal ne dicke fette Scheibe davon abschneiden!
Ihr seht also.. wir brauchen hier gar kein Auto und auch keinen Führerschein... bisher sind wir auch so - grad in Shanghai - ganz gut zu recht gekommen... und fahren möchte ich hier bis heute nicht.. Erstens hab ich viel zu viel Schiss, dass ich das Gesetz der Straße (also so zu fahren, als ob es einen nicht interessiert wer lebend ans Ziel kommt) nicht verstehe und dadurch nen Unfall verursache und zweitens weiß ich von Kollegen die hier gefahren sind, dass man danach in DE regelrecht resozialisiert werden muss :D
Also... allzeit Gute Fahrt
Stefan und Kathrin
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