Sonntag, 24. Februar 2013

Neues aus dem Reich der Mitte

Hallo liebe Leser,

jetzt schreib ich auch mal wieder einen Eintrag. Ich hab auch aktuell ein wenig mehr Zeit. ☺

Am 7. Februar, ja, es ist schon seeehr lange her, wollte Kathrin's Team ein gemeinsames Dinner veranstalten. Dieses Mal dürfte Kathrin sich um die Organisation kümmern. Also hat sie bei ihrer Lieblingspizzeria rechtzeitig einen Tisch reserviert. Doch am Tag des Dinners wurde sie förmlich von dem Restaurant telefonisch belästigt. Sechs mal wurde sie angerufen, immer von verschiedenen Mitarbeitern und immer mit der Frage ob sie reservieren möchte. Nein, sie möchte nicht reservieren, sie HAT bereits reserviert. Das wurde da aber wohl missverstanden denn am Abend standen Kathrin und ihre Gruppe bei Pizza Marzano ohne eine Reservierung... Aber, nach einem kurzen Aufstand, haben sie dann einen Tisch bekommen und sie alle ließen es sich schmecken.
Auf dem weg nach Hause hat sich Kathrin von dem Taxi bis zu unserem Wohnblock fahren lassen und wollte den Rest zu Fuß zurücklegen. Das war leider ein Fehler denn es hat in der Zwischenzeit gefroren und sie hat sich ordentlich das Knie aufgeschlagen.... Erst am nächsten Tag, es war immer noch glatt, wurden, wie hier üblich, Bambus-Matten auf die Eisflächen gelegt. So als Anti-Rutsch-Matten. Leider für meine Liebe Frau zu spät....

Dann nahte auch schon das Wochenende samt fünf weitere Tage frei! Yeah.
Während "Chinese New Year" und dem Frühlingsfest ist die ganze Woche gesetzlich frei, da es hier so ähnlich wie Weihnachten bei uns gefeiert wird. Nämlich im Kreise seiner Familie und sehr viele Chinesen weit weg von ihren Verwandten wohnen und arbeiten findet in dieser Zeit eine regelrechte Völkerwanderung statt. Kathrin und ich wollten aber hier in Shanghai bleiben wo es sehr ruhig werden sollte.
Samstagabend dem chinesischem Silvester waren wir mit Irmi, Sadi und Dorian ersteinmal auf Restaurant Suche. Da viele Läden geschlossen haben durch die Heimreisenden war es auch gar nicht so leicht.
Als wir dann in der Ausländergasse bei einem Griechen dann Glück hatten knurrten unsere Mägen schon sehr laut.
Nach dem leckeren Essen trennten sich unsere Wege für kurze Zeit. Sadi und Dorian sind zu einem weiteren Kollegen gegangen, der bei sich zu Haus eine Party schmiss und ich bin mit den beiden Mädels zum BUND Gefahren um das, hoffentlich stattfindende, Feuerwerk um 0:00 Uhr zu erleben. Wir also rein ins Taxi und gegen 10 vor 12 am Bund angekommen. Doch wir warteten vergebens. Kein großes Feuerwerk. Dafür konnten wir viele kleine, von Hotels, Bars oder Clubs organisierte Feuerwerke sehen und hören. Traditionell geht es hier nicht um das schöne ansehen der bunten Raketen sondern lediglich um das Knallen der "Böller". Also sind wir dann zum vereinbarten Treffpunkt in einen Club am BUND gegangen wo dann später noch alle eintrafen.

Sonntag haben wir dann einfach mal nichts gemacht.

Am Montagabend waren wir mit Kathrins Teamleiter samt Freundin zum Essen verabredet. Es ging ins Abbey Road, einem Österreichischem Restaurant mit Bar, in dem viele Beatles Bilder hängen und auch deren Musik gespielt wird. Anschließend sind wir dann noch in die Kaiba gefahren. Das ist eine Bar-Kette in der es zig verschiedene Biersorten aus Belgien zu verköstigen gibt. Ich war leider noch auf Antibiotika wegen meiner Erkältung und "durfte" mich mit Cola Vergnügen...

Nächsten Tag wollte ich zu Decathlon, einer Sportartikel-Kette um meinen Bestand an T-Shirts wieder zu erhöhen.  An der Kasse haben wir dann, mal wieder, für ein wenig Tumult gesorgt denn wir wollten auch eine Kundenkarte von dem Laden bekommen. Damit gibt es dann bei jedem Einkauf auch immer Rabatt. Und das lohnt sich dort. Erstmal musste ein englisch sprechender Mitarbeiter gefunden werden. Als dieser dann kam zeigte er erst nur auf einen öffentlich zugänglichen PC und meinte dort anmelden. Sehr witzig, das hätte uns auch die Dame an der Kasse zeigen können. Gut, wir uns also an den Computer gestellt, die Sprache auf Englisch gestellt und meine Daten eingegeben. Bei der Postleitzahl zu unserer Wohnung wussten wir nicht weiter. Zum Glück stand der Kollege noch in der Nähe und las das Problem. Dann ist er verschwunden und kam wenige Zeit später mit unserer Postleitzahl wieder.
Dann konnten wir uns noch ein Motiv der Karte aussuchen und auch leich ausdrücken lassen. Sehr schön.
Gleich danach sind wir dann auch zu Metro gegangen, diese beiden Läden sind immer gemeinsam zu finden, um noch ein paar heimische Süßigkeiten und Schokolade für die lieben Kollegen zu kaufen. Dann wieder rein ins Taxi und ab nach Hause.

Am nächsten Tag stand unser erster Besuch bei einem IKEA, hier in China, an. Und zwar nicht bei irgendeinem sondern dem zweitgrößten der Welt. Laut unserer Metrostationen App auf unseren Handys soll dieser sich an einer Metro Station befinden. Gut, wir rein in die Metro und bis zur besagten Station gefahren, ausgestiegen, nach draußen gegangen und große Augen gemacht. Kein IKEA war zu sehen... Also noch mal eine andere App gefragt und uns die Adresse anzeigen lassen. Damit haben wir dann ein Taxi gesucht welches uns dorthin brachte. 
Es ist schon ein riesiges Gebäude, aber es stand in dem Schatten eines noch größerem Möbelhauses.... Wir also rein und heimische Gefühle überkamen uns. Alles heißt hier genauso wie in Deutschland und sieht auch alles so aus wie zu Hause. herrlich. Selbst hot Dogs gab es am Ausgang. Leider war es dort zu voll sonst hätten wir davon probiert.
Zum Abendbrot wollten wir mal wieder etwas neues ausprobieren. Wir entschieden uns für "more than Toilets" - mehr als Toilette. Dort sind wir mit der Metro hingefahren und staunten nicht schlecht da die Gegend, in der das Restaurant sich befindet Ähnlichkeiten mit den Hackeschen Höfen in Berlin hat. Nur hält Chinesisch und kleiner, verschachtelter aber richtig rustikal. In dem Restaurant kann sitzt man normalerweise auf der Keramik samt Spülkasten aus Badezimmern und hat einen Glastisch vor sich stehen der einen Blick auf ein Waschbecken voll mit künstlichen Fäkalien gewähren lässt. Aber das ganze sah eher kunstvoll als eklig aus. Für uns war, leider nur Platz, an einem normalen Tisch samt Stühlen... schade. 
Die Gerichte und Getränke wurden dann auch in Mini-Pissoirs, Mini-Badewannen oder auf Mini-Waschbecken dargereicht. Das ist mal was anderes aber sehenswert.

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag fand das zünden von Knallkörpern seinen Höhepunkt. Unser Wohnblock ist in einem Kreis angeordnet und in der Mitte befindet sich ein kleiner Platz auf dem dann viele Böller gezündet wurden. Neben sehr vielen Böller-Ketten, nicht wie in Deutschland mit "Elefantenfürzen" sondern mit dickeren und lauteren, werden die einzelnen Knallkörper in Röhren verkauft. Diese werden senkrecht auf dem Boden gestellt und angezündet. Erst knallt es einmal und dabei wird der zweite Böller in die Luft geschossen und dieser explodiert dort. Doch dieses "dort" ist direkt vor unseren Fenstern im 18. Stockwerk.... Bis halb drei Uhr nachts konnten wir nicht an Schlaf denken... Also eine sehr kurze Nacht....

Heute, am Valentinstag, wollten wir ins Chocolate Magic Wonderland. Wir haben die letzte Zeit sehr viel Werbung hierfür gesehen und dachten uns, das muss gut sein.
Der Eintrittspreis war mit 13 euro schon ganz schön teuer und schraubte unsere Erwartungen in die Höhe. Doch es war schon sehr kitschig und Chinesisch.... Es wurden neben vielen schönen Figuren aus Schokolade und der Weg von der Kakaobohne zur Schokolade auch viele Spiele für Erwachsene und Kinder geboten. Aber es konnte niemand englisch und so sind wir dann einmal komplett durch und haben in dem Shop am Ende der Ausstellung noch ordentlich deutsche und arabische Schokolade eingekauft. Es waren dort neben Geber (oder Reber? Also die Firma, die Mozartkugeln herstellt) und Lindt auch eine arabische Firma vertreten die die erste und feinste Schokolade aus Kamelmilch verkaufte. Mein Geschmack war es nicht...
Unser Valentinsdinner verbrachten wir bei Pizza Marzano, dieses mal ein anderes Restaurant der Kette. War sehr lecker.

Irmi und Sadi waren die letzten Tage nicht in Shanghai und kamen heute, am Freitag, wieder zurück. Und so haben wir noch Dorian samt Freundin geschnappt und wollten den "Kebab King" ausprobieren. Der Name und die Beschreibung in unserer App ließen uns eine Dönerbude also ein Imbiss erwarten. Doch angekommen war es ein Restaurant mit türkischer Einrichtung. Zunächst machte es uns stutzig, dass wir die einzigen Gäste dort waren aber das änderte sich dann nach dem wir bestellten. Doch es waren nur zwei Familien. Es war gutes Essen aber an "unser" Pasha kommt es nicht ran. Also wird dieser Laden unter "Einmal besucht, muss aber nicht nochmal sein" abgehakt.

Samstag und Sonntag sind dann gesetzliche Arbeitstage gewesen um die Frei-Tage zum Teil wieder einzuarbeiten. Jetzt heißt es also 7 Tage am Stück arbeiten....

Montag hab ich mit meiner Ma und am Dienstag Kathrin mit Ihrer Familie geskypt. Seit Mittwoch ist ein Deutscher Kollege von Kathrin hier, dem wir ein bisschen Shanghai zeigen wollen. Das ist dann auch der Plan für das kommende Wochenende.

Bis die Tage

Gruß Stefan 


G

Montag, 4. Februar 2013

Wochenrückblick

Hallo Ihr Lieben,

hier noch ein kurzer Wochenrückblick

Am Montag hatte ich, dieses Mal, wieder chin. Unterricht.
Jetzt kann ich behaupten, endlich angekommen zu sein. Da es beim letzten Unterricht so laut und voll in dem Cafe war, haben wir nun den Unterricht in ein Starbucks Cafe verlegt.
So, wie es sich gehört. Das sieht man hier nämlich überall.. Ausländer, die versuchen der chin. Sprache Herr zu werden.
Also, erstmal ein Kaffee geholt und los.. ich staune immer wieder, wie es Eva (meine Lehrerin) schafft immer neue Tabellen mit Finals und Initals vor zu zaubern.
Irgendwann muss das doch mal ein Ende haben?
Dieses Mal jedenfalls nicht.. schade... Mit nem Knoten in der Zunge heim, Feierabend.

Am Mittwoch das nächste Highlight. Endlich mal wieder in unser türkisches Lieblingsrestaurant: Pasha.
Samt Stefan, Irmi und Sadi ging es nach Feierabend los... und wieder einmal kann ich nur sagen: LECKER!
Trotz Vorspeise (Tomate/Schafskäse), Hauptgang (Sorry Sadi, ich kann mir den Namen einfach nicht merken!), egal: Hauptsache lecker *g* und Nachspeise (im Ofen gratinierter Milchreis) war ich gar nicht soooo vollgefuttert.

Donnerstag wollte ich ja eigentlich zum Sport, dank der Möhre ist das jedoch ausgefallen, aber dazu lest ihr am besten den separaten Eintrag :)

Samstag sind wir (Stefan, Irmi, Sadi und ich) mit der Metro gen Jiading gefahren. Dort hat uns Isabell, eine chin. Kollegin und Freundin, schon erwartet. Erstmal sind wir in ihre neue Wohnung... wow, das wird - wenn Isabell samt Mann - dort erstmal einmal einziehen, echt schön.
Und der Clou: man kann vom Schlafzimmer aus sogar die Formel1 Rennstrecke sehen! Danach sind wir mit dem Bus (eine Premiere für uns Ausländer) zu einem Park gefahren. Der war wunderschön angelegt, sauber und ruhig!
Da Sadi und Irmi sich neue Kameras zugelegt haben, gabs erstmal eine Einweisung. Entsprechend lang hat der Parkbummel auch gedauert... ständig auf der Suche nach neuen Motiven :)
Die Zeit hat dann grade noch ausgereicht, dass wir auch den Konfuzius Tempel - der sich direkt neben dem Park befindet - besuchen konnten. Zack, war es auch schon 16.30h.. wie die Zeit vergeht... und damit Zeit für eine Stärkung. Zum Glück gab es nebem dem Park ein Restaurant.
Frisch gestärkt ging es wieder in Bus zur Altstadt von Jiading. Dort haben wir einen wirklich kurzen Stadtbummel gemacht. Im Anschluss trennten sich auch schon unsere Wege. Isabell hat uns in ein Taxi verfrachtet und ab ging es Richtung Metro und ab nach Hause. Das war wirklich ein wunderschöner Ausflug.
In Shanghai angekommen haben wir uns nochmal mit einem Eis von Cold Stone gestärkt und haben uns - eine Stunde später - erneut getroffen, um noch eine Bar ausfindig zu machen.
Gut, dass wir die Adresse hatten. Ein Schild gabs nämlich nicht. Nur eine Treppe hoch. Dann stand man vor 3x3 Lichtröhren. Das wars. Man gut, dass wir wußten, dass diese Röhren dazu da sind einen Code einzugeben, damit die Tür zur Bar aufgeht.
Also.. Todesmutig die Hand in die Röhre... Treffer! Die Betontür zur Rechten glitt auf, und man stand vor einem Spiegel mit einem "GOTCHA" (Treffer) Aufdruck. Das war dann die Niete... Zweiter Versuch und die linke Tür öffnete sich und wir konnten endlich in die Bar.
Dort war es angenehm "ruhig" so dass man sich gut  unterhalten konnte.
Später gesellte sich noch ein Arbeitskollege samt Freundin zu uns. Und so haben wir unsere Cocktails genossen, bis... tja, typisch Mädchen, eine von uns aufs WC mußte. Kurz nach dem Weg gefragt. Die Richtung samt dem Hinweis: "push the door" (drück die Tür) erhalten und los.
Irmi hat gedrückt und gedrückt. Insgesamt an vier Türen. Nix zu machen. Naja, war ja auch voll in der Bar, sind wohl alle WCs belegt. Bis sich eine Tür öffnete, allerdings nicht an der rechten Seite - wo auch der Türknauf war - sondern links. Aha, deswegen der Hinweis. Hinter der Tür war dann ein
riesenlanger Raum mit WC und eigenem Waschbecken. Aha. Rätzel gelöst. Nun konnten wir erleichtert nach Hause fahren :)

Am nächsten Morgen ging es wieder recht früh los.
Wir haben uns mit Sadi, Irmi, Dorian und Freundin, sowie mit Doreen und zwei Freundinnen von ihr zum brunchen in einem Hotel in unserem Viertel getroffen.
Als wir eingetroffen sind, war es noch herrlich leer und das Buffett fast aufgebaut. Wir konnten dann noch an einer Tafel ein weiteres Menü wählen (ich hab mich für einen Pancake entschieden, für Stefan gabs nen Frühstücksburger)
Dazu noch Müsli, frisches Obst, genügend Brot und Toast zur Auswahl samt Nutella, Honig, Wurst und Käseauswahl. Sogar drei Gläser voll mit Gummibären gabs.. *hihi*
Säfte, Kaffee und Tee rundeten das Angebot ab. Die zusätzlichen Menüs waren mehr als üppig. Mir hat man doch tatsächlich drei riesen Pancakes samt Butter, Blaubeeren und auch noch Ahornsirup vor die Nase gestellt. Oh man.
Auch die Burger waren kein Deut übersichtlicher :)
Natürlich wollten wir Mädels auf unseren Sekt nicht verzichten. Doofe Idee.. erst wollte man uns Wasser andrehen (auf englisch: sparkling water), nein Sekt! (sparkling wine). Dann hat es wieder eine gefühlte Ewigkeit
gedauert, bis wir die Sektgläser auf dem Tisch hatten.. Und noch viel länger bis auch der Sekt seinen Weg zu uns fand.
Und statt der georderten fünf Gläser gab es dann gleich die ganze Flasche. Auch ok :)
Vollkommen vollgefuttert trennten sich unsere Wege und ich bin - mit Stefan im Schlepptau - noch zur Maniküre. Herrlich
Dann aber ab nach Hause und erstmal ausruhen von einem solch anstrengenden Vormittag.
Danach habe ich - wie es der Zufall so wollte - noch mit meiner Familie skypen können. Das kam unverhofft, war dadurch aber gleich nochmal so schön :)
Nur noch flux Suppe bestellt und dann ins Bett verkrümmelt wo wir das Wochenende mit einer DVD haben ausklingen lassen.

Für uns heißt es nur noch 5 Tage arbeiten, dann steht ab Samstag "chinese new year" (Jahr der Schlange) an.
Deswegen haben wir dann sieben Tage (samt dem WE) frei, um dann ab Samstag (!) sieben Tage durchzuarbeiten.

Heute werde ich mit der Irmi Richtung Taschenmarkt aufbrechen und Donnerstag steht mein erstes Teamdinner an. Weiter reichen die Planungen noch nicht.

Ich wünsch Euch eine schöne Woche
Take care
LinLin

Kampf dem inneren Dämonen

Hallo liebe Leser,

nun ist es tatsächlich passiert, ich mußte - in Shanghai - zum Zahnarzt. Natürlich ist jeder von uns hier, um sich weiter zu entwickeln..

Ich bin mit dem Ziel hergekommen, an mir zu arbeiten; aufgeschlossener zu werden, aber auch definitiv ruhiger und entspannter zu werden und nicht bei jeder Kleinigkeit auf 180 zu schalten.
Ich muss sagen, dass ich dieses Ziel schon recht nah vor Augen habe, auch wenn ich ab und an doch Rückfälle erleide.
Das ich hier aber auch vor ganz anderen Herausforderungen stehe, hätte ich mir so nicht vorgestellt. Natürlich war mir klar, dass es - grade in Shanghai - viele, viele, viele
Menschen geben wird! Aber, dass das solche Ausmaße annehmen kann, das war mich nicht bewußt.
Einige von Euch wissen vielleicht, dass ich ein Problem mit Menschenmassen habe... Super Vorraussetzung also, um nach Shanghai zu gehen :)
Aber... ich hab meinen kleinen Dämonen die Stirn geboten!
Hätte mir vor 1,5h Jahren jemand gesagt, dass ich allen Ernstes auch nur mit dem Gedanken spiele, FREIWILLIG einen Fuss in eine U-Bahn zu setzen, in die man zu Stoßzeiten von Metroangestellten "gedrückt" wird.. Ich hätte
einen Lachanfall bekommen!
Mittlerweile löst eine solche Situation aber keine Schwitzanfälle oder Herzrasen bei mir aus. Kurzes Schulterzucken, positiv denken (nur zwei U-Bahnstationen) und REIN! Freiwillig!
Dieses harte Training hat schon erste Früche getragen. Weihnachtseinkäufe an einem Samstag in Hannover sind für mich jetzt ein Kinderspiel. Wow, war ich entspannt.. eine ganz neue Erfahrung für mich!

Eine Sache gibt es aber nach wie vor, die bis letzte Woche auf meiner "No-Go" Liste stand: Zahnärzte. In China. NIEMALS! Ja, mir war schon klar, dass es irgendwann so weit kommen muss.. zumal wir hier privat versichert sind und wir selbst dazuzahlen müssen. Deswegen, so mein Gedankengang, höchste Zeit um ein paar Schäden
beheben zu lassen.. aber ich hab ja noch so viel Zeit.. nicht jetzt... später... Ihr wißt ja selbst, wie so was ausgehen muss..

Donnerstag war es soweit, kurz noch Stärken vor der Telefonkonferenz. Natürlich mit Rohkost. Herzhaft in die Mohrrübe gebissen.. RUMMS! Und zwar so laut, dass selbst
Irmi mich mit schreckensgroßen Augen angesehen hat.
Ich dachte, ich werd gleich ohnmächtig... wie ich dieses Geräusch hasse.. vorsichtige Schadensanalyse mit der Zunge.. nein, kein Zahn draußen. PUH... Lediglich am Eckzahn fehlte ein Stückchen... PUH!
Kurz sammeln und schon war es soweit, dass ich in die Telefonkonferenz mußte...
Danach hab ich dann versucht einen Termin für den nächsten Tag beim Zahnarzt zu bekommen. Keine Chance, ich soll am nächsten Morgen anrufen. Also bin ich am Freitag nicht zum Shuttlebus, dann wäre ich nämlich um 8.30h in Anting gewesen. Ich hatte allerdings gehofft, gleich morgens einen Termin zu bekommen. Nein, erst um 14h. Super.
Kurz meinen Teamleiter gefragt, nein, so macht es keinen Sinn nach Anting raus zu fahren. Wäre ich gleich mit Taxi oder Metro los (Start 9.30h in Shanghai) wäre ich
erst gegen 11h im Büro gewesen, um dann um 12.30h wieder gen Shanghai aufzubrechen. Zwecklos also.
Also bin ich um 13h gen Klinik, wo ich auch schon wegen meiner Grippe war.
Dort ist auch der Zahnarzt Dr. Kim. Er ist Koreaner und hat in Göttingen studiert. Er kann sogar noch ein bißchen deutsch.
Das hat mir als Argument gereicht. Die Praxis war, wie auch beim Familienarzt, relativ hochwertig eingerichtet.
Er hat sich viel Zeit genommen um meinen Zahnschaden zu begutachten und mit mir die Möglichkeiten zu anaylisieren.
Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass ich auch für diesen Zahn eine Krone brauchen werde, aber nicht jetzt. Der Riss ist IM Zahn und irgendwann wird der Zahn abbrechen (super Vorstellung!) aber bis dahin reicht es, wenn er mir die Ecke glatt schleift...
Kurze Standpaucke: nix hartes mehr essen. Meine Zähne werden halt alt. Ja, danke... Mach dich weiter unbeliebt bei mir :)
Und keine Cola! Böse Cola. Ein bißchen Schokolade darfs aber sein *schmunzel* oh mann, wie soll man da ernst bleiben?
Das hat alles ca. 30min gedauert. Dann bezahlen. Tja und dann sollte ich nach Absprache mit meinem Teamleiter einen gelben Schein organisieren. Das hat glatt länger gedauert, als die Behandlung. Erstmal mußte ich aufklären, dass ich keine Hausfrau bin, die ihrem Mann ins Ausland gefolgt ist. Dann der Versuch zu erklären, dass ich für die 30min Behandlung heute nicht mehr zur Arbeit kann.
Oh man.. Dabei wollte ich doch nur noch heim... Endlich mit gelbem Schein dort angekommen, Überraschung.. die Ayi (unsere Haushälterin) war da... Mist.. also auf der Hacke kehrt und wieder geflüchtet.
Ich hab dann auf Stefan in der Hongmeilu gewartet, wo wir auch gleich zu Abend gegessen haben. Für mich gabs auf den Schreck aber nur Pommes, die waren schön weich :)
Vollkommen erledigt - zumindest meinereiner - sind wir dann heim...
Das war ein Tag..

Aber, ich kann mit Erfolg behaupten, einen weiteren Dämonen in seine Schranken verwiesen zu haben...

Ihr Lieben, ich wünsche Euch nur ganz kleine innere Schweinehunde.
Passt gut auf Euch auf
LinLin