Montag, 5. November 2012

Up and down

Hi liebe Leser,

wir sind gerade zurück vom Firmenausflug aus Lin An. Kurz umschrieben: es war sehr anstrengend, interessant und schön.

Doch, von Anfang an:

Es wurden 2 Busse organisiert die alle teilnehmenden Kollegen und deren Familien bzw Partner am Samstagmorgen, so gegen 7 Uhr, abholte. Einer startete in Shanghai und der andere direkt von unserem Büro in Anting aus. Erstes Ziel war ein Treffen der beiden Busse auf einem Rasthof an einer Autobahn in Richtung Hangzhou. Das war auch dringend notwendig, da sich sämtliche Getränke (auch Bier ;-) )  in genau dem anderen Bus befanden.

Nachdem die Erfrischungen dann ausgetauscht waren ging es dann auch gleich weiter zu unserem Hotel, dem Wonderland Hotel in Hangzhou. Der Plan war, dort einzuchecken und sich ein wenig frisch machen zu können um dann anschließend im hoteleigenen Restaurant zu speisen. Doch da sich das Treffen der beiden Busse ein wenig verzögerte kamen wir im Hotel direkt zum Mittag an. Um den Zeitplan dann einhalten zu können, es zumindest zu versuchen, sollten unsere Koffer ruhig noch in den Bussen bleiben.
Im Vorfeld unseres Firmenausfluges konnten wir aussuchen welche Touren wir an den beiden Tagen mitnehmen wollten. Ich habe das impulsiv, abhängig von den Bildern, entschieden, also die Touren mit den schöneren Bildern ausgesucht. Vielleicht hätte ich auch die Beschreibungen lesen sollen....


Bei der heutigen Tour stand etwas von climbing(klettern).... Aber selbst als ich das las hab ich mir nichts dabei gedacht.
Direkt nach dem Mittag sind wir also alle samt zurück in die beiden Busse und ab zu unserem heutigem Highlight, Daming Mountain, gefahren. An dem Eingang zu dem Gebirge trennten sich dann unsere Wege. Unsere Gruppe machte sich auf dem Weg den Berg per Fuß zu erklimmen, während die andere Gruppe direkt nach oben per Bus und Seilbahn gebracht wurde.
Auch wir wurden noch ein Stück mit kleinen Bussen transportiert (das war schon sehr abenteuerlich... kleiner Bus, viele Kurven, Affenzahn... oh man). Danach durften wir dann zu Fuß weiter. Die ersten paar Stufen waren auch noch okay, aber hinter jeder Biegung konnten wir weiter oben den Weg schon sehen und die Stufen nahmen kein Ende....
Es war eine schöne Gegend, und wir hatten auch Glück mit dem Wetter, nicht zu warm und nicht zu kalt. Die Fotos von den umwerfenden Ausblicken folgen natürlich noch.
Auf unserem Weg steil nach oben kamen uns viele Touristengruppen entgegen. Alle mit einem Lächeln im Gesicht, kein Wunder, sie wurden hochgebracht und laufen jetzt runter....
Nach ca. 3/4 des Weges bzw der Höhe kamen wir an eine Biegung, wo wir ungefähr 200 Meter über uns eine Hängebrücke, und um die Bergspitze einen Weg sahen. Ich wollte schon stehen bleiben oder direkt nach unten gebracht werden.... Es war Sau anstrengend, das kann ich Euch sagen.
Aber wir haben alle nicht aufgegeben und wurden oben mit einem wunderschönem Ausblick belohnt. Der, vorläufige, Endpunkt war dann ein kleiner Kiosk. Dumm nur, dass man dorthin über die, bereits erwähnte, Hängebrücke rüber musste...
Und die war seeehr hoch und schaukelte.. Ich hab kurz gezögert, aber Kathrin hat mir Mut zugesprochen und ich bin rauf. Mein Plan war es mit schnellen Schriften die andere Seite zu erreichen. Das klappte bis zur Mitte auch wunderbar. Dann bildete sich ein Stau. Vor mir waren 2 Chinesen, denen es genauso erging wie mir.. Und sie schlichen nur so vor sich hin. Erwähnte ich schon, dass sie schaukelte? Und als ich da so vor mir hin schlich kam auch noch ein kräftiger Wind auf. Das war dann zuviel für mich. Ich also die beiden ein wenig beiseite gedrängelt und mit großen Schritten den sicheren Berg erreicht.
Nach einer langen Pause - mit sehr leckeren selbstgebackenen Keksen - rief uns unser Guide zusammen, denn wir mussten uns langsam auf dem Heimweg machen. Endlich wieder runter denn das ist nicht so anstrengend. Doch zuerst mussten wir wieder auf der Hängebrücke zurück.... Na toll..... Ich will nicht....
Augen zu und durch hieß es dann für mich... Wieder sicher auf der anderen Seite angelangt hab ich dann auch das Schild zur Brücke gelesen: maximal 20 Personen gleichzeitig auf der Brücke... Tolle Wurst... Es waren bei beiden Wegen wesentlich mehr Menschen auf diesem schaukelndem Ding... Ich hab sogar Fotobeweise dafür. Schilder sind hier dazu da, ignoriert, oder von Ausländern fotografiert zu werden. Denn mit der Rechtschreibung haben sie es hier auch nicht so..
Wir also weiter auf dem Rundweg direkt an der Gipfelspitze. Super schöne Panoramen wollten fotografiert werden. Es wurde auch plötzlich fast totenstill, etwas was man hier nur sehr selten erlebt, denn die meisten Gruppen haben sich schon längst auf dem Rückweg gemacht. Lediglich eine koreanische Gruppe hab ich beim Gruppenfoto ein wenig gestört. Direkt nach einer Biegung bin ich fast über den knienden Fotografen gestolpert. Als ich dann der Gruppe ein Viktory Zeichen machte, wurde das auch von der Hälfte erwidert und alle lachten noch mehr. Als wir dann den Weg fortsetzten wurde ich auf Englisch gefragt wo ich denn herkomme. Ich antwortete "Deutschland" auf chinesisch (de guo). Erst lachten sie, dann meinte einer sie seien Koreaner. Als ich dann die Gruppe in China Willkommen hieße, lachte die ganze Gruppe und schon trennten sich wieder unsere Wege.
Mehrere Biegungen später mussten wir in einen Höhleneingang rein, und dort dem Weg folgen. Auch hier zeigte sich wieder, dass man nicht an große Ausländer denkt...am Eingang der Höhle stand maximal Höhe zwischen 1,70 m und 1,90 m. Ich bin 1,90 groß... Fast den ganzen Tunnel, er war 2 km lang, musste ich eine geduckte Haltung einnehmen...
Im Freien angekommen konnten wir gleich in die Seilbahn steigen, die uns dem Tal ein Stück näher brachte. Dann noch kurz zu Fuß und ein kleiner Bus brachte uns zu unseren eigentlichen Bussen.
Total kaputt, aber unendlich glücklich, dass wir das überlebt haben, fuhren wir dann in Richtung Hotel.
Mein Chef zeigte mir dann ein Bild von einem Schild an unserem Startpunkt, das wir ganze 1.000 Höhenmeter erklommen und dafür ca 2.000 Stufen betreten haben.

Angekommen im Hotel wurden wir alle zur Harmonie Halle geführt, wo wir dann unser Abendessen zu uns nahmen. Wohlgemerkt, eingecheckt hatten wir immer noch nicht.
Das essen war sehr chinesisch. Wir haben auch, unter fachmännischer Anleitung, einen Krebs geöffnet und dessen winziger Inhalt verspeist. Kann man essen, schmeckt leicht fischig, aber der Aufwand um dort ranzukommen ist enorm. Das war auch unser Highlight bei diesem Essen.
Anschließend wurden uns die Zimmerschlüssel übergeben. Wr wollten einfach nur noch ins Bett. Also ab nach oben, Karte in den Slot geschoben und versucht im Bad Licht zu machen.... Klappte natürlich nicht. Es waren keine robusten Kippschalter sondern Sensorfelder und wir probierten sämtliche Schalter aus. Dabei hab ich bei einem etwas fester gedrückt. Das Ergebnis war kein Licht, sondern eine zersplitterte Sensorplatte.... Wir also runter zur Lobby, dem freundlichen Herrn hinter dem Tresen um Hilfe gebeten. Er meinte, dass gleich jemand zu uns aufs Zimmer kommt. Also wir wieder hoch, wirklich kurz, gewartet dann kam auch eine Angestellte und prüfte unsere Notlage. Komischerweise klappte es dann mit den Lampen... Nur im Bad halt noch nicht, da ich genau das Feld erwischt hab...
Die Dame hat das auch gesehen und sofort nen Techniker angerufen, der dann so nach 20 Minuten erschien und erst feststellte was genau kaputt sei. Er also wieder aus dem Zimmer raus. Weitere 10 Minuten kam er wieder mit einem weiteren Techniker und zwei Managern. Während die beiden Techniker sich am Austausch der Platte machten, kam ein Manager auf mich zu und drückte mir sein Handy in die Hand. Auf der anderen Leitung war schon jemand dran, der englisch konnte. Erst erklärte er mir, in gebrochenem Englisch, das es sich um 2 Manager des Hotels handelte und das gleich Techniker vorbeikämen um den Schaden zu reparieren. Ich versuchte im klar zu machen, dass die beiden Techniker schon fleißig dabei sind aber ob er das verstanden hat.... Er wechselte dann das Thema, ich habe ja doch das Glas kaputt gemacht und müsste jetzt den Schaden bezahlen... Daraufhin hab ich vorsichtig gefragt wie teuer der Spaß mich denn kosten würde. 250 Rmb, ungefähr 31 Euro, ich könnte mir auch die Preisliste anschauen denn das passiert öfter, das ein Gast dieses Feld kaputt macht. Ach, so kann man auch sein Geld verdienen.... Er wollte auch, dass ich sofort bezahle. Ich fragte ihn ob es morgen auch ginge, nein, dann müsse er mit meinem Chef sprechen. Okay, dachte ich mir, bevor wir hier noch länger diskutieren geh ich nach unten und bezahl das Geld. Mittlerweile war es dann auch schon recht spät geworden. Die beiden Manager begleiteten mich nach unten zur Rezeption. Auf dem Weg kam ich noch an der Bar vorbei wo noch einige meiner Kollegen saßen. Ich hab brav das Geld auf den Tisch gelegt und wollte eine Rechnung haben, nicht, dass sie morgen noch einmal Geld haben wollen... Dafür sollte ich aber meinen Firmennamen aufschreiben. Und hier kam dann das Glück wieder zu mir zurück. Ich dachte auf chinesisch und hab noch die Freundin eines Arbeitskollegen in der Bar gesehen. Ich also dorthin und Fanny um Hilfe gebeten. Sie sprang förmlich auf und folgte mir zur Rezeption. Auf dem Weg dorthin schilderte ich ihr noch den Hergang und sie meinte dass ich nicht 100% Schuld hätte. Also wurde auf chinesisch diskutiert bzw. Fanny hat auf die Mitarbeiter eingeredet. Zu mir meinte sie kurz, geh zurück zu den anderen, ich bin auch gleich zurück. Ohhkay. Gesagt, getan. 5 Minuten später kam sie dann auch zurück und überreichte mir die Hälfte meiner Kosten samt einer Rechnung. Ich bedankte mich tausendmal bei ihr und bin überglücklich wieder rauf aufs Zimmer, wo ja jetzt alles fertig sein sollte. Doch unsere Zimmertür stand immer noch offen und 2 Angestellte standen im Gang davor... Oh nein, dachte ich, wann können wir denn endlich schlafen?
Beim demontieren ist den Jungs wohl eine kleine Schraube abhanden gekommen, die, auch nach langem suchen,sich nicht wieder anfand.... Also wurde ein Techniker geschickt um eine neue zu holen... Weitere 15 Minuten später wurde dann auch alles zusammen geschraubt und die Angestellten verabschiedeten sich von uns... Endlich schlafen...
Am nächsten morgen wurden wir um 6:30 Uhr geweckt denn für uns, die die zweite Route wählten, hieß es schon um 8 Uhr ausgecheckt am Bus zu stehen. Wir also wieder rein. Eine Stunde Fahrt war angesetzt, zwischendurch gab es einen kurzen Stopp und unser Guide rannte förmlich zu der Tanke, neben der wir standen, und kam mit 2 Riesenpaketen mit Wasserflaschen zurück. Damit wir bei der Wanderung nicht dehydrieren meinte er.... Er war wohl noch nie dort, denn an jeder Biegung gab es einen kleinen Verkaufsstand mit Getränken, warmen Speisen, Eis und Souvenirs...
In der Vorabinformation zu dieser heutigen Route stand etwas von einem Taihu See aber spätestens als der Guide uns einen Vortrag zu unserem Ziel gehalten hat stellten wir fest, dass heute wieder ein Berg, er war deutlich kleiner als gestern, bestiegen werden sollte.... "was, heute schon wieder hoch hinaus? Dann aber mit Gipfelbier". Also schnell ein paar Büchsen Dosenbier (Budweiser) in den Rucksack verstaut und schon waren wir auch am Eingang zum Berg angekommen.
Wir sind dann die ganze Zeit einem Bachlauf nach oben gefolgt. Wir schauten schon immer voraus, ob man oben in den Bergen etwas erkennen konnten wo das Ende hatte sein können aber wir fanden nichts. Affen wurden uns auch haufenweise versprochen, aber beim Aufstieg haben wir gerade mal einen gesehen, der dann auch für viele Fotos herhalten musste. Dann kamen wir noch einem kleinen Tempel vorbei bei dem man die traditionelle, rituelle, historische Glocke läuten lassen konnte. Man verlangte auch "nur" 3 RMB, weniger als 50 Cent. Aber das war schon ein starkes Stück...
Einen kurzen Fußmarsch hinter dem Tempel war dann auch urplötzlich der Weg zu Ende. Hier gab es einen Miniwasserfall bei dem wir unser Gipfelbier genossen. Ein paar Fotos wurden noch geschossen und dann nervte auch schon der Guide, dass wir nicht mehr soo viel Zeit hätten und ja auch noch den ganzen Weg zurück gehen mussten....
Wir hatten noch 1,5 Stunden Zeit.... Aber wenn man bisher nur chinesische Gruppen hatte kommt mal wohl schnell ins schwitzen.
Gebraucht haben wir dann, natürlich auch weniger und konnten so, an der Stelle wo wir vorhin einen Affen vorgefunden haben noch ein wenig verweilen. Denn mittlerweile hat sich dort eine ganz große Bande versammelt.
Zurück im Bus ging es dann zum Rendevous mit dem anderen Bus, der wirklich zu einem See gefahren war, in einem Restaurant. Wir waren die ersten und konnten auch gleich mit dem3 Essen anfangen. So richtig organisiert war den Laden nicht denn es wurden alle 8 Tische mit Essen vollgestellt obwohl unsere Gruppe nur 3 davon besetzte. Entsprechend kalt müssen die Speisen dann auch gewesen sein.
Egal, wir fingen an zu essen. Die Spezialitäten hier waren dieses mal Schildkrötensuppe, in jedem Topf war auch ein ganzes Tier drin, und Froschschenkel. Wir haben beides probiert aber auch bei der Schildkröte ist nicht so viel dran... Leider. War lecker.
Es war auch schlimmer als meine erste chinesische Hochzeit denn die Servicekräfte hörten nicht auf immer neue Teller und Schalen mit Speisen auf unseren Tischen zu stapeln. Dann, endlich, das erlösende Zeichen: Obst. Wir haben es überlebt!
Jetzt ging es denn auch wieder zurück nach Shanghai.

Wir werden morgen sowas von sicher einen tierischen Muskelkater haben... Aber schön war es.

Eine angenehme Woche, euch da draußen in der Welt.

Gruß Stefan

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