Sonntag, 12. Oktober 2014

Einmal(ig) und nie wieder... oder: der Great Wall FunRun

Hallo liebe Leser,

dieses Mal möchte ich Euch von meinem Abenteuer "Great Wall FunRun"
berichten.

Es gab so einiges, was ich bereits in Deutschland über China erfahren habe, lange bevor unser Entschluss feststand, dort zu leben und zu arbeiten.
Dazu gehörte u.a. Die Pandabären Aufzuchtstation in Chengdu zu besuchen (erledigt: 11.06.2013) und das Eis- und Schnee Festival in Harbin bestauen (erledigt: 25.-27.01.2014).

Nun konnte ich endlich meinen letzten ToDo Punkt auf meiner Wunschliste in die Tat umsetzen!
Die Teilnahme am Great Wall Marathon!


Als ich von diesem Lauf das erste Mal gehört habe, gab es natürlich die volle Distanz (42km: NIE! IM! LEBEN!.. noch nicht mal ohne Mauer!) und die halbe (21km.. ja.. schon eher...) und dann einen sogenannten FunRun mit 5km... (PERFEKT!) 2013 wäre meine erste Chance gewesen, aber zu dem Zeitpunkt war ich - um es schmeichelhaft auszudrücken - alles andere als in Topform.
Dafür gab es in diesem Jahr keine 5km, sondern 7,5km... mmmmh Im Oktober letzten Jahres waren wir mit Maike das erste Mal auf der großen Mauer und spätestens da mußte ich der Wahrheit ins Gesicht blicken...
21km? Auf der Mauer?! Ohne mich...
So schön und beeindruckend die große Mauer auch ist.. sie hat es in sich!
Keine Stufe gleicht der anderen.. entweder sind sie verdammt tief und flach, so dass man nur kleine Trippelschritte hinbekommt ODER so hoch, dass ich mich frage, wie damals (die doch recht kleinen) Chinesen diese Stufen überhaupt im Ernstfall nutzen konnten um das Land vor den Feinden zu verteidigen ...
Somit stand mein Entschluss fest! 2014 nehme ich am Great Wall Marathon teil, aber nur an dem FunRun... ich hab natürlich nicht schlecht gestaunt, als ich mich an auf der Seite angemeldet habe.. nix mit 5 oder 7,5km...
jetzt gabs nur noch 8,5km.. lieber schnell anmelden, wer weiß, was einem 2015 blüht?! :)

6 Monate habe ich mich auf diesen Lauf vorbereitet... und das alles nur auf dem Laufband, da die Luftwerte in Shanghai nach wie vor nicht dazu geeignet waren um ernsthaft "an der frischen Luft" trainieren zu können.
Immer wieder musste ich Zwangspausen einlegen, mal machten meine Knie nicht mit... und natürlich kam auch mal das ein oder andere dazwischen (Thema Urlaub und so *g*).

Als es dann in die letzte - eigentlich harte - Trainingsvorbereitung gehen sollte, kam eines zum anderen: meine Schwiegereltern waren zu Besuch...
(Prioritäten müssen sein!) und dann stand der Company Trip meiner Firma an.. meine Laufsachen hatte ich im Gepaeck... aber leider auch eine recht hartnäckige Grippe, die mich ab dem Ausflug ausser Gefecht gesetzt hat.
Und so kam es, dass ich die Woche vor dem Lauf mehr tot als lebendig auf dem Sofa vor mich hin vegetierte... byebye Training...
Natürlich bin ich schnellstens zum Doc und hab ihn von meinen anstehenden Plänen berichtet.. Sein Kommentar: du willst doch nicht wirklich an dem Lauf teilnehmen?
Ein Blick genügte.... Ok, dann schreib ich Dir mal was auf.. Ende vom Lied: ich hab das Krankenhaus mit einer RIESEN Tüte an Medikamenten verlassen..

Bis Donnerstag Abend konnte ich mich noch nicht entscheiden, ob ich den Lauf wirklich antreten sollte...
Dafür hab ich dann in der Nacht zu Freitag ENDLICH mal, ohne Hustenanfälle oder Nase schnauben, himmlisch schlafen können... und wollte gleich nach dem aufwachen meinem Mann diese glückliche Tatsache mitteilen... doch es kam wieder alles anders: ein Blick in seine Richtung genügte um meine Gute Laune mit einem Schlag in Luft aufzulösen.. ich hab tatsächlich so gut geschlafen, dass ich nicht mitbekommen hab, dass er die halbe Nacht nur am flitzen war... MIST MIST MIST..... Ich war drauf und dran alles abzusagen!

Erst Knie, dann Grippe, dann liegt mein Mann und somit mein persönlicher Glücksbringer flach?! Sollte das ein Zeichen sein?!
Mehr oder weniger wurde ich dann aber von Stefan vor die Tür und somit in den Zug gesetzt... er wollte nicht, dass ich wegen ihm auf den Lauf und damit meine Chance verzichte... schweren Herzen und mit Glücksarmband bin ich dann allein nach Peking aufgebrochen.....
Zum Glück wurde ich dann in Peking nicht nur von Sadi, sondern auch von Irmi und ihrer Freundin Evi empfangen!
Irmi hat die Reise extra so geplant, dass sie und Evi beim Lauf zusehen können.... unglaublich! DANKE Krümelchen :)
Zusammen sind wir dann Richtung Hotel aufgebrochen, kurz das Zimmer in Beschlag genommen und dann vor Ort im Hotel das Buffet geplündert.... gegen 19h war ich dann auch schon wieder auf meinem Zimmer.. alles für den nächsten Tag griffbereit legen, nochmal tieeeeeeeef durchatmen... und ab ins Bett.

Am Samstag morgen (äh Nacht) war dann um 2.20h der Morning Call.... hmpf...um 3.30h Abfahrt.
Vom Hotel gabs noch Frühtstücksboxen (zwei Viertel Sandwich Scheiben, lediglich mit einer Scheibe Wurst belegt...), eine Orange, ein hartgekochtes Ei (klar, gute Idee, sowas vor nem Lauf zu essen *g*) und eingeschweißtes chinesisches Gemüse samt einer Flasche Wasser. Besser als nix.
Um ca. 6h waren wir dann an der großen Mauer, mit gefühlten 50 anderen Reisebussen. Du liebe Güte... erstmal anstellen... an die ca. 1km lange Schlange fürs WC.

Ab zum großen Yin und Yang Platz der den Start und Zielbereich darstellte... dann hieß es warten.
Erstmal gabs noch ein gemeinsames Warm up und dann natürlich viele offizielle Reden (ich hatte nicht wirklich die Ruhe dazu zu zu hören *ups*) Ab 7.30h folgten die Startschüsse, erst für die schnellen Marathon Läufer und dann im 10min Takt, bis es um 8.10h auch endlich für mich soweit war.
Brav in die Schlange gestellt und schwupp stand ich in einer super bunten Mischung von Läufern, wie ich sie noch auf keinem Rennen erlebt hab:
Spanier, Franzosen, Italiener, Schweizer, Amerikaner... alle waren sie gekommen um die Mauer zu bezwingen. Viele sind extra für diesen Lauf aus ihrem Land angereist, das erste Mal in China und dann am Startplatz gleich mit Blick auf die Mauer... das hat einige so erschreckt, dass sie ihre Distanz spontan auf die jeweils kleinere umgebucht haben.. ich Depp wußte ja schon - so ungefähr - was mir blüht...
Egal.. Augen zu und LOS!
OMG... endlich war es soweit.. das viele Training, die vielen Verzichte, alles für diesen Moment. Aber was dann folgte... darauf hätte ich mich im Leben nicht vorbereiten können! (und wenn, hätte ich den Lauf wahrscheinlich gecancelt) Die ersten 100m gings durch ein Dorf... ok, cooler Start... aber dann.. weiter und weiter und immer nur bergauf! Und ich war noch nicht mal auf der Mauer... gut, dass ich ein Cappi (eigentlich gegen die Sonne) auf hatte, so hab ich immer brav nach unten geguckt und nicht, was mir noch bevorsteht... wenn ich den Kopf doch mal angehoben hab, hab ich es sofort bereut.
Schon in dem Dorf gab es nicht eine gerade Strecke.. immer höher und höher.. es wollte nicht aufhören.. ich hatte mir felsenfest vorgenommen nicht mit dem laufen aufzuhören, aber ab Kilometer 2 mußte ich ins walken übergehen.. schließlich galt es, die Kräfte einzuteilen.. noch immer nix von der Mauer zu sehen...
Dafür war aber das ganze Dorf auf den Beinen, die Kids standen am Straßenrand und wollten von jedem Läufer die Hände abklatschen (super süß!) und der Rest hat sich für dieses Ereignis einfach nur raus geputzt und uns komisch schnaufenden Ausländer angefeuert (die fragen sich wahrscheinlich jedes Jahr was dieses Theater eigentlich soll) Die Versorgung unterwegs war einwandfrei... es gab an jeder Versorgungsstelle genügend Wasser und das hatte ich auch bitter nötig.
Die Strecke war optimal ausgeschildert, so dass man nie überlegen mußte, wo man lang laufen muss... Top organisiert kann ich da nur sagen!

Dann, ab Kilometer 5 gings auf die Mauer... OMG... gehts noch härter? Und wieder...
nur hoch, Trepp auf Trepp auf... keine Chance das Ganze zu genießen.. ich mußte mich auf jeden Schritt konzentrieren, da auch dieser Mauerabschnitt natürlich keine genormten Stufen hatte... Ich dachte, meine Waden explodieren! Ab diesem Abschnitt liefen wir dann auch wieder zusammen mit den Marathon und Halb Marathon Läufern. Wie irre muss man sein?! Zwischendurch haben wir uns gegenseitig angefeuert. Auf der Mauer waren dann auch mehrere Stationen mit Sky Rescue (!!!) Teams und dem Roten Kreuz.
Sehr nett, wie ich dachte.. bis es an den Abstieg ging.. wenn ich bis dahin dachte, ich will endlich runter.. hab ich es ab diesem Moment bitter bereut!
Erst war da einfach nur ein Stau, dann wußte ich auch warum.. es gab keine Stufen mehr! Nur noch ein Geländer (und dann gings auch schon tieeeeeeeeeef runter) und nur noch ein Gefälle auf recht glatten Stein (danke an den Wettergott, bei Regen wäre diese zwei Passagen echt sehr gefährlich geworden).
Zwischendurch hab ich mir immer wieder Marathonis rausgepickt die ich als Tempohasen missbraucht hab.. aber ganz ehrlich? Ich hab keine Ahnung wie die das anstellen, die hatten schon mehr als 36km in den Waden und ich keuchte rum.. peinlich, erniedrigend.. schweißtreibend.. aber geil :) Endlich gings runter von der Mauer und ich konnte die Zielgrade sehen.. ein Adrenalinschub sondergleichen.. GESCHAFFT.. ha! DENKSTE!
Wir mußten den letzten kilometer in Schlaufen laufen.. ARGH! Unfair.. ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr... vor mir gaben mehr und mehr Läufer auf und sind ins gehen übergegangen. NEIN! ich will laufen, oder naja, so tun als ob...
Dann endlich.. Treppe runter.. UND:.. JIPIH.. geschafft.. Zielfoto, sogar ne Medaille hab ich umgehangen bekommen (meine ERSTE!) Watt?! Schon vorbei?! Das wars...? Krass...

Ich wußte nicht, ob ich hysterich lachen oder vor Schmerzen heulen sollte.. meine Waden haben gezittert, meine Oberschenkel sich verkrampft.. ich hab es geschafft!
1h und 34 min hab ich gebraucht.., nur vier Minuten langsamer als geplant (ohne diese fiese böse Strecke erahnen zu können.. ich Orakel!).

Ich brauchte ca. 30min um wieder Frau meiner Sinne und Muskeln zu werden. Wir haben noch brav auf die Mittagsausgabe gewartet... und wurden belohnt:
es gab so richtig leckere Sandwiches in XXL in verschiedenen Sorten, ich hab mich für Truthahn entschieden. Und da fiel mein Blick auf eine weitere Schlange... die offiziellen Ergebnisse hingen aus!
Ich hab gesucht und gesucht.. und mich nicht gefunden.. hab unten angefangen... immer höher und höher.. DA! Tätsächlich! Ich hab es bei den Frauen auf Platz 16 geschafft.. nur Sekunden trennten mich zu den TOP10...
IRRE! Wie hab ich das nur gemacht?! Egal... freu freu freu..

Dann mußten wir nur noch rausfinden, wie wir zum Hotel zurück kommen.
Gar nicht so einfach.. die Busse waren alle da.. sahen aber A) alle gleich aus und B) hatten alle das gleiche Schild vorn drin: GREAT WALL.. ja, ach nee... aber zurück? Zu welchen der unzähligen Hotels?... immer mehr Läufer kamen zum Parkplatz, alle mit dem Fragezeichen im Gesicht..
Irgendwann haben wir einen Bus entdeckt und sind dann leider alle Hotel angefahren.. unseres war natürlich das letzte...
Egal, schnell duschen, noch a bisserl mit Irmi und Evi die Gegend erkunden und dann waren wir mit chinesischen Freunden natürlich zum Peking Ente Essen verabredet (lustigerweise in genau dem gleichen Restaurant, wo wir auch mit Maike waren... dieses Mal allerdings fussläufig von unserem Hotel entfernt).

Danach war ich schlag k.o. Ab ins Bett und am nächsten Morgen stand für mich nur noch packen und Rückfahrt auf dem Programm. Um ca. 19h war ich dann zu Hause, leicht angeschlagen, aber immer noch mit einem fetten Grinsen im Gesicht...

Mal gucken, auf welch lustige Ideen ich demnächste komme :)

Ihr Lieben, passt gut auf Euch auf
Kathrin und Stefan

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen