Mittwoch, 16. April 2014

Reisebericht Japan

Hallo liebe Leser,

Wir sind wieder zurueck in unserer “Heimat” Shanghai. Die letzten 9 Tage haben wir eine Rundreise durch Japan gemacht, von der wir Euch nun berichten werden.

Am 5. April um 5:30 Uhr ging es mit gepackten Rucksäcken zum Flughafen PuDong und weiter nach Osaka. Dort angekommen mussten wir dann erstmal einen Ticketschalter suchen, der unseren Gutschein für je einen Japan Rail Pass einlöst (Dieser funktioniert so wie bei uns das Niedersachsenticket also einmal zahlen und dann in dem gekauften Zeitraum so oft fahren wie es nur geht). Das war schon nicht soo einfach, da am Bahnhof der direkt am Flughafen angrenzt, dermaßen viele Schilder haängen, dass man leicht die Orientierung verlieren kann (und das ist, wie wir festellen mussten, überall so...).
Glücklich - unsere JR-Pässe in den Händen haltend und sogar schon eine Sitzplatzreservierung fuer den nächsten Zug (kostenfrei wohlgemerkt) ergattert - kam gleich das nächste Hindernis: Wie kommen wir durch die Schranken zu den Gleisen? Den Pass auf’s Sensorfeld legen? Nein, klappt nicht. Mmhh, da steht ein Mitarbeiter der Bahn direkt neben den Schranken... Wir hin, mussten nur den Pass vorzeigen und konnten durch, das war ja jetzt doch sehr einfach. ☺ Und das tolle: Genauso klappt es überall wo wir mit unseren Pass fahren konnten.

In Kyoto angekommen, hier verbrachten wir die ersten 3 Nächte, schon der nächste Fall von Orientierungslosigkeit... Unser Hotel ist ein wenig ausserhalb der Stadt und mit der Metro erreichbar. Und dann lassen sie uns nicht durch die Schranken... Gemeinheit. Dann wurde uns erklärt, dass was wir die U-Bahn nehmen müßten und nicht die Strassenbahn, die wir kostenlos nutzen könnten, und man hat uns den Weg zum Ticketautomaten gezeigt.
Auf einer Tafel haben wir, relativ, schnell unsere Station gefunden, wo unsere Pension sich befindet, aber wie teuer das wird bzw. welches Ticket wir kaufen müssen wussten wir noch nicht.
Wir haben dann, glücklicherweise, einen anderen Ausländer getroffen der seit ein paar Jahren in Kyoto lebt und uns sofort helfen konnte.
Raus aus der Metro begann das Suchspiel erneut: eine ältere Dame hat uns den Eingang unserer Pension zeigen können. Der war so unscheinbar, dass wir 2mal daran vorbeigelaufen sind. ;-) Die Pension ist ein "Ryokan" also eine traditionelle Pension, wie man es aus japanischen Filmen kennt mit Papierwänden und –Schiebetüren sowie Bambusmatten im Wohn- bwz. Schlafzimmer. Der Eigentümer hat uns kurz unser Reich gezeigt: Das Wohn- und Schlafzimmer, ein kleiner „Wintergarten“, ein Raum für das WC und einer für die Dusche.
Anschliessend haben wir gemeinsam das „Bett“ aufgebaut, oder eher: die Matratzen, Laken, Kissen und Bezüge aus dem Wandschrank geholt und dann so angeordnet, dass man gut drauf schlafen kann.
Von dem Besitzer haben wir auch gleich 2 Bücher zum besseren Verstehen der japanischen Lebensweise als Nachtlektüre überreicht bekommen. Leider nur als Leihgabe, aber sehr nett.

Positiv überrascht von der sehr bequemen Schlafstatt sind wir am nächsten morgen aufgewacht. Dann kurz das eine Bett auf das andere verfrachtet und fertig aufgeräumt war unser Wohnzimmer. ;-) Natürlich hätten wir es jeden Tag neu machen müssen. Aber der Besitzer meinte, dass wir es nach unseren Wünschen gestalten können. Pünktlich auf die Minute klopfte es an unsere Papierschiebetür und wir bekamen unser Frühstück überreicht, welches wir im Schneidersitz am Tisch einnahmen (Stühle gab es keine, traditionell halt).

Dann haben wir uns noch kurz erklären lassen wie wir zu unserem heutigen Ziel kommen und sind dann auch gleich los. In Kyotos Süden gibt es eine Tempelanlage mit Wegen, die dicht an dicht mit Schrein-Toren bebaut sind. Das wollten wir uns anschauen. An der richtigen Station sind wir auch ausgestiegen und haben mitbekommen, dass eine Gruppe Ausländer wohl das gleiche Ziel hat. Daraufhin haben wir die gefragt wie man dorthin käme, kein Problem, folgt uns einfach war die spontane Antwort, sehr gern. ;-) Doch sobald wir den kleinen Bahnhof verlassen haben sprang uns auch schon das erste rote Tor entgegen, oh, gefunden. ☺ Wir haben uns noch schnell bedankt und sind dann allein weiter.
Anschliessend sind wir wieder zurück gen Kyoto Station. Auf der Umgebungskarte von Kyoto hat Kathrin ein „Ninja-Restaurant“ entdeckt, welches wir jetzt ansteuern. Leider hatte das eigentliche Restaurant gerade geschlossen (quasi Nachmittagspause). Dort hätte es auch Darbietungen gegeben. Aber diekt nebenan gab es das „Ninja-Sweet“ mit "all you can eat and drink-Buffett" (Also essen und trinken bis nichts mehr reinpasst), und da wir grossen Hunger hatten, sind wir dort dann rein. Zu unserem Platz hat uns ein Ninja geleitet und uns dann die 5 Regeln des Restaurants vorgetragen (1. Nur so viel auf die Teller legen, wie man auch essen kann 2. Alkoholische Getränke sind extra zu bestellen 3. Den Tisch so sauber verlassen wie man ihn vorfindet 4. Das schmutzige Geschirr in die braunen Boxen legen 5. Habt Spass). Nun konnten wir speisen.
Tüchtig gespeist wählten wir unser nächstes Ziel aus, welches wir sogar zu Fuss erreichen konnten: Das Viertel Gion. Es ist ein kleines Vergnügungsviertel mit vielen Bars und Restaurants. Wir sind auch vielen Frauen in Kimonos (traditionellen Gewändern) begegnet. Und, natürlich, haben wir viele Kirschblüten (japanisch: "Sakura") gesehen, bestaunt und fotografiert. In der japanischen Sprache gibt es fürs "Kirschblüten schauen" sogar ein extra Wort: Hanami.
Nächster Programmpunkt war eine alte Burg im Herzen Kyotos. Es wurde schon langsam dunkel und wir hatten schon die Befürchtung nicht mehr rein zu kommen. Doch beim Anblick einer riesigen Menschenschlange waren wir wieder beruhigt und stellten uns mit an. Doch die eigentliche Burg war geschlossen und der Grund warum wir uns angestellt haben war das Hamami (das Kirschbluetenfest) im Burggarten.
Sehr zur Freude von Kathrin, gab es hier etliche Kirschbäume in voller Blütenpracht, die auch noch kunstvoll beleuchtet wurden.
Am Montag stand "Nara" auf dem Wunschzettel. Dort steht (sitzt) ein grosser Buddha im grössten Holzhaus der Welt in einem Nationalpark. Wir also wieder rein in einen Zug und in Nara ausgestiegen. Kurz zur Touristeninformation gegangen und eine deutschsprachige (!) Karte mitgenommen. Den restlichen Weg konnten wir bequem zu Fuss erreichen. Beim betreten des Nationalparks wurden wir auf die wild lebenden Hirsche hingewiesen, dass sie wirklich wild sind und sich evtl entsprechend verhalten... Auch das man seine Pässe und Karten sicher verstauen soll. Die sind beliebte Ziele fuer hungrige Hirsche. ☺ Das ist aber nett, dass man direkt darauf hingewiesen wird. Kathrin konnte es sich natürlich nicht verkneifen und kaufte sich zwei Rationen "Hirschfutter" Selber Schuld, auf diese runden Plättchen waren die noch eben recht friedlich drein schaunenden Rehe abgerichtet. Erst noch verwundert, warum wir von der Verkäuferin regelrecht weg gescheucht wurden, wußten wir innerhalb kürzester Zeit auch warum: Herrscharren von Rehen belagerten Kathrin und forderten vehement ihr Futter... mit Nachdruck: der ein oder anderen hat sie sogar in den Po gezickt.... schelle alle Kekse verteilt. Nix wie weg Neben dem wirklich riesigen Holzhaus und Buddha gab es noch einen Bereich im Park, wo tausende Steinlaternen dicht an dicht gebaut wurden. Das war auch sehr gewaltig in den Ausmassen.

Heute - am Dienstag - geht es für uns los in Richtung "Hiroshima" mit dem Zug. Dieses Mal mit einem Shinkansen, das sind Schnellzüge die aussehen wie Raketen. Unser Hotel befand sich auch in direkter Naehe zum Bahnhof und so verstauten wir dort unsere grossen Rucksäcke und machten uns auf dem Weg zum Atombomben-Dom und Friedenspark. Der Sightseeingbus konnte von uns, dank JR-Pass, umsonst benutzt werden. ☺ Zuerst sind wir ins Museum gegangen und haben eine deutschsprachige Audioführung gemacht. Wir bekamen alles rund um den Abwurf der Atombombe durch die Amerikaner und deren Auswirkungen erklärt.
Sehr informativ und erschreckend das Ganze. Im Anschluss schlenderten wir durch den Friedenspark in Richtung Atombomben-Dom. Das ist eines von ca. 5 Gebäuden, welches den Abwurf einigermassen überstanden hatte und das einzigem welches heute noch existiert und als Mahnmal in seinem Zustand nach Abwurf gelassen wird. 
Kathrin hat noch ihre Origami Kraniche an der Statue für die Kindesopfer des Abwurfes abgelegt und dann gings für uns auch schon zurück zum Hotel.

Am nächsten Tag ging es nach Miyajima. Das ist eine vorgelagerte Insel vor Hiroshima. Dort steht ein ganz berühmtes Schreintor im Wasser, welches man bei Flut im spiegelnden Wasser sehen kann. Drumherum ist weider eine Tempelanlage und ganz viele Souvenirgeschäfte. Und die Hirsche sind auch hier frei rumlaufend. ;-)

Gegen nachmittag haben wir den Shinkansen zurück nach Osaka genommen, um dort in den Schnellzug nach Tokyo zu wechseln. Der öffentliche Verkehr dort, in Tokyo, ist bis jetzt die Krönung an Unübersichlichkeit!
Es gibt 36 Bahnlinien und 12 U-Bahnlinien! Und nun such mal die richtige Linie um zu deinem Hotel zu kommen...
Nun tritt das ein was wir in Japan so lieben: Wir wurden gleich von zwei Frauen gefragt, ob man uns behilflich sein koenne. Es reicht hier ein Fragezeichen im Gesicht, und sofort bekommt man Hilfe angeboten.
So nett wurde uns noch nirgends weiter geholfen.
Dank der beiden Damen sind wir dann direkt in die richtige Bahn eingestiegen und nach einem kurzen Check der Umgebungskarte an der Station fanden wir auch unser Hotel für die nächsten 3 Nächte.

Den nächsten Tag haben wir komplett im Disneyland in Tokyo verbracht.
Am 11. April wollten wir eigentlich nach Nikko, haben uns dann aber für eine Besichtigung von Tokyo entschieden. Da wir in Summe nur noch 2 Tage fuer Tokyo haben.
In diesen 2 Tagen waren wir einmal im Yoyogi Park, einer von vielen grossen, schön angelegten, Parkanlagen von Tokyo, dann haben wir die Takeshita-Strasse besucht, in der es viel ausgefalle Klamotten zu kaufen und entsprechend auch zu sehen gab, anschliessend sind wir auf der Omotesando-Strasse flaniert, wo viele Luxusläden beheimatet sind. Diese beiden Strassen befinden sich direkt nebeneinander, welch krasser Unterschied.
Dann waren wir noch in Akihabara, genauer gesagt in „Electric town“. In diesem Viertel befindet sich auch das Tokyo Anime Center. Animes sind japanische Comics, von denen es dort eine gaaanze Menge gibt.
Auch in einem japanischen „Vergnügungspark“ waren wir. Das war eine Etage in einer Shoppingmall, wo es sehr nett dekoriert war und man seine Freizeit mit Essen, trinken und beim spielen verbringen kann. Dort gibt es ein Eiscafe, der eigentliche Grund unseres Besuches dort, in dem es recht ausgefallene Eissorten gibt. Man konnte bis zu sechs Sorten auswaehlen. Meine Wahl ist auf Eis mit folgenden Geschmacksrichtungen gefallen:
Salz, Curry, Rinderzunge, Knoblauch, Wasabi und Whiskey.
Probiert haben wir alle sechs, aber nicht alle aufgegessen. ;-) Im Skytree waren wir noch auf einer Höhe von 350 m und haben den Ausblick auf die Stadt genossen. Leider konnte man den Berg Fujiyama an diesem Tag nicht erblicken..

Als letzte Übernachtung habe ich ein Kapselhotel für uns beide gewählt. Die Etagen werden nach Geschlechtern getrennt und jede Person schläft in einer Röhre. Wir haben es uns auch mal genauer angeschaut und festgestellt, dass wir dort nicht schlafen möchten. Es war ein wenig runtergekommen und nicht ganz so hygienisch. Zudem kommt noch, dass man, im hauseigenen Bademantel einen Stockwerk zum Duschen wechseln muss.
So haben wir noch das Wifi in dem Hotel genutzt und uns was anderes für die letzte Nacht in Tokyo gesucht. Zu unserem Gück wurden wir auch schnell fündig (immerhin ist es schon 18 Uhr) schnell ausgecheckt und zum nächsten Hotel gefahren. Nach dem check in und begutachten des Zimmers wollten wir noch eine Kleinigkeit speisen.
Gleich in der Nähe zu unserem Hotel leuchtete die Reklame für japanische Pizza. Die kennen wir schon aus Shanghai und finden sie sehr lecker. So brauchten wir nicht lang überlegen und sind dort eingekehrt.
Frisch gestärkt ging es wieder zurück zum Hotel.

Am letzten Morgen machten wir uns auf dem Weg zur Tokyo Station um in den Zug zum Airport zu steigen.
Zuerst mussten wir noch Tickets und die Sitzplatzreservierung kaufen, und schwupps, sassen wir im Airport-Express und wenig später im Flugzeug nach Shanghai...

Heute beginnt wieder der Ernst des Lebens...

Bis die Tage.
Stefan und Kathrin

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