Donnerstag, 26. April 2012

how to say....?

Meine liebe Leserschaft..

der nächste Eintrag ist ein Versuch, Euch meine neue, verrückte, völlig andere aber doch liebenswerte Welt näher zu bringen.
Viel Spaß

Meine Lieben,
ich überlege bei jedem Eintrag, den ich hier verfasse, wie ich es schaffen soll, Euch meine Erlebnisse und Eindrücke hier so zu beschreiben, dass Ihr das Gefühl habt, "dabei" zu sein...

Aber wie soll ich es Euch erklären?
Im Beruflichen..
Wie erklär ich Euch, dass es hier vollkommen normal und sogar üblich ist, morgens erstmal ein Nickerchen zu machen? Im Büro? Während der Arbeitszeit?
Die ersten Tage wunderte ich mich noch über die Vielzahl der bunten Kuschelkissen auf den Schreibtischstühlen der Kollegen..
Bis, ja bis ich gesehen hab, dass diese Kissen morgens auf den Schreibtisch wandern und der Kopf gleich mit.


Wie beschreib ich Euch, wie unselbstständig das Leben hier ist..?
Hier kann ich nicht einfach mal in mein Auto steigen und nach Hause fahren, wenn ich mal früher heim möchte, weil ich Bauchschmerzen hab.
Hier werde ich mit dem Bus - gratis - hergeshuttelt, aber selbiger shuttelt mich im Umkehrschluss auch wieder heim.

Den Bus morgens verpassen? Doofe Idee, es gibt nur diese eine Chance zur Arbeit zu kommen... sonst fährt man Taxi und zahlt natürlich auch die Rechnung.
Wie beschreibe ich Euch, dass man hier beim "Zeitung lesen" einschläft, und der Mitarbeiter vooooooorsichtig guckt, ob man auch wirklich schläft und einen dann weiterschlafen läßt?
Jeder Kollege zu Hause hätte mal ganz herzlich am Stuhl geschüttelt und einem aus dem Land der Träume geholt..

Im Privaten..
Wie mach ich Euch verständlich, dass ich es ernst meine, wenn ich schreibe, dass die Zeit hier schneller vergeht?

Und das hat nix damit zu tun, dass hier alles so neu, so bunt, so aufregend ist...
(und ja, ich unternehme JETZT alles auf einmal, weil ich dazu später schlicht nicht in der Lage sein werde... Der Sommer beinhaltet hier nämlich 40° (!) und bis zu 80 % (!) Luftfeuchtigkeit!...
Unser Überlebensmotto lautet in solchen Fällen: Welcome to China aaaaaand good luck!)
Ich verlasse meine Wohnung um 7Uhr und gehe zur U-Bahn und von da aus in den Shuttlebus und bin dann jeden Morgen um 8.30h auf der Arbeit.
Um 17h gehts dann genau andersrum (Überstunden aufbauen, damit man einen freien Tag rausbekommt??? Nicht möglich!)
Wenn alles gut läuft, und nichts ansteht... bin ich Schlag 18.30Uhr wieder zurück in meinen vier Wänden.. und das war nur der Arbeitstag!
Kommt dann noch Nachhilfe oder Sport oder einkaufen dazu... ist der Tag gelaufen.. das wars... Zeit fürs Bett und alles von vorn..

Man muss sich hier immer alles genaustens überlegen...
Heute Sport, morgen Nachhilfe, nächsten Tag Pearlmarkt um die Stoffhose reparieren zu lassen... vergisst man im Tran dann doch die Hose zu Hause, hat sich alles schon erledigt..
Denn man schafft es nicht heim, Hose holen und zum Markt... den selbst die Fahrerei mit U-Bahn oder Taxi nimmt Stunden in Anspruch und man steht vor geschlossenen Türen.

Wie beschreib ich Euch Situationen, in denen man nicht weiß, ob man verzweifeln soll, oder einfach drüber lacht?
Selbst mit Wörterbuch ist es einem nicht möglich auch immer das gewünschte zu bekommen (Waschmittel für schwarze Wäsche??? Gibts nicht - oder.. man zeigt es uns nicht, was wahrscheinlicher ist - hier gibt es ein Waschmittel für JEDE Wäsche)
Jetzt kann ich über diese Geschichte lachen.. an dem Tag war ich aber so fix und fertig mit der Welt, dass ich vor lauter Frust am liebsten losgeheult hätte..

Die Rasierklingen z.B. sind genauso wie in Deutschland extra gesichert und sogar ABGESCHLOSSEN.. holt man sich aber eine Verkäuferin, wundert man sich über deren "Elan" (Achtung, Sarkasmus) nur umzusehen, dass die Klingen zwar mit nem kleinen Vorhängeschloss gesichert sind, sie aber einfach die Klingen vom Regal reißt, ohne vorher das Schloss auch nur eines Blickes zu würdigen..
Und dann wundert sie sich über die irritierten Blicke der "Langnasen"


Stellt Euch mal vor, wie erschreckend es ist, dass man selbst für eine so einfachklingende Sache - wie Maniküre z.B. - auf einen Telefonjoker angewiesen ist.. denn ja, das Mädel weiß, dass ich kein chinesisch kann.
Aber sie kann auch kein englisch.. also quasselt sie munter auf chinesisch auf mich ein.. bis ich vollkommen ratlos mein Handy zücke und jmd. anrufe, der chinesisch kann. Man ist gut beraten, jmd. zu kennen, der sich zwar köstlich darüber amüsiert das die Langnase einen Dolmetscher braucht, es aber trotzdem sehr gern übernimmt.

Könnt Ihr Euch vorstellen, wie köööööööööstlich frische Bretzeln (To Go) von einem deutschen Bäker schmecken können, wenn man endlich Kräuterfrischkäse entdeckt hat? (Tzaziki und Frühlingsquark sind mir bis jetzt noch nicht über den Weg gelaufen... Gerüchten zu Folge wurden sie aber schon in Shanghai gesichtet... ) Nie haben mir Brezn besser geschmeckt.
Wißt Ihr eigentlich, wie sehr ich mich über jede eMail von Euch freue?
Einfach nur deshalb, weil sie von Euch ist und ich dadurch das Gefühl hab, dass Ihr mich nicht vergessen habt, Ihr an mich denkt und mich auch aus der Ferne an Eurem Leben teilhaben lasst.. ?
So klitzekleine Kleinigkeiten, wie den Briefkasten aufmachen und eine Postkarte drin zu finden von einer sehr guten Freundin aus der Heimat.. und schon stehen dem komischen Wesen aus einer fernen Welt die Tränen in die Augen..

Denn auch daran muss man sich wirklich gewöhnen: Die verwunderten Blicke (alsob man mit verschmierten Makeup vor die Tür gegangen ist), wenn ein Ausländer in ihrem Revier entdeckt wird.
Noch ein komisches Gefühl.. auf einmal ist man selbst "der Ausländer"

Aber es gibt auch andere - sehr schöne Seiten - an China.
Die Chinesen sind meist alle sehr freundlich, sehr darauf bedacht, es dem Ausländer - gleich welche Stellung oder Position man inne hat - alles recht zu machen.

Was ich persönlich immer wieder herrlich finde, ist diese Neugier... Ich brauche nur mit meiner (blonden) Kollegin in der U-Bahn stehen und herzhaft lachen.. (das allein ist für sie schon irritierend genug) und schon wird man angesprochen, wie fröhlich man doch ist, wo man herkommt, was man hier macht, wie man es findet (hätten wir nicht aussteigen müssen, wären wahrscheinlich noch mehr Fragen gekommen).
Habt Ihr das schon mal mit einem Ausländer in Deutschland gemacht?
Eher unwahrscheinlich... jedenfalls hab ich es noch nie gemacht.
Oder wenn man ganz aufgeregt etwas Schönes fotografiert, weil man es vielleicht noch nie gesehen hat.. der Chinese versteht nicht, warum ich mich so darüber freue.. macht es mir aber nach, weil es ja einem Ausländer gefallen hat.
Und wie wir mittlerweile im Fitness Studio begrüßt werden... mit einem Lächeln (von einem Ohr zum anderen) und einem Winken... nur, weil zwei Ausländerinnen in einem chin. Studio sind
(kein anderes chin. Mitglied wird so überschwinglich willkommen geheißen...)

Ich könnte jetzt wahrscheinlich noch Seiten mit solchen Kleinigkeiten füllen, aber am einfachsten wäre es, wenn Ihr selbst davon ein Bild macht :)

Meine Lieben,
das ist alles ist nur ein Versuch Euch meine Welt näher zu bringen.
Manches ist hier so anders, dass einen mehr verwirrt als verstört.
Manches ist aber auch genauso wie man es von zu Hause kennt.
Bis jetzt liebe ich jeden Tag hier... die großen wie die kleinen Abenteuer und Herausforderungen die das ganz normale Leben hier ausmachen.
Es macht Spaß, neues zu entdecken und sich Stück für Stück in diese neue Welt zu stürzen.
Ich freue mich über jeden Fortschritt den ich hier mache (auch, wenn der nur beinhaltet, dass ich jetzt sagen kann, dass ich keine Ahnung hab - auf chin.- und die kleinen Rückschläge betrachte ich als Herausforderung die es zu überwinden gilt.
Allerdings freue ich mich schon jetzt auf meinen ersten Heimataufenthalt
(vielleicht mit meinem Leibgericht von meiner Mutsch?)

Paßt gut auf Euch auf, meine Lieben.
Stay tuned.. (ihr kennt das ja nu schon)


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